Arthur Schnitzler

Alle Spekulation, vielleicht alles Philosophieren ist nur ein Denken in Spiralen; wir kommen wohl höher, aber nicht eigentlich weiter, und dem Zentrum der Welt bleiben wir immer gleich fern.

Auch das Chaos gruppiert sich um einen festen Punkt, sonst wäre es nicht einmal als Chaos da.

Bereit sein ist viel, warten können ist mehr, doch erst: den rechten Augenblick nützen können ist alles.

Das Gerücht weiß selten, was wir tun, aber immer, wohin wir treiben.

Dass du ihn völlig durchschautest, das hat dir noch keiner verziehen, er mag noch so gut dabei weggekommen sein.

Der Hass der Größe gegen die Kleinheit ist Ekel, der Hass der Kleinheit gegen die Größe ist Neid.

Die Kennworte des Wieners: Wie komm denn i dazu? Es zahlt sich ja net aus! Tun S‘ Ihnen nix an.

Die Stärke des Charakters ist oft nichts anderes als eine Schwäche des Gefühls.

Es ist keine Höflichkeit, dem Lahmen den Stock tragen zu wollen.

Keinen Anlass zur Lüge zu haben, heißt noch nicht: aufrichtig sein.

Lebensklugheit bedeutet, alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen.

Manches Gestehen bedeutet meist einen hinterhältigeren Betrug als alles verschweigen.

Misstrauisch bist du? Ich verstehe dich: Du willst dir die Mühe ersparen, die Menschen kennen zu lernen.

Stärke des Charakters ist oft nichts anderes als eine Schwäche des Gefühls.

Stets wird es die Politik sein, von der die Atmosphäre eines Landes bestimmt wird, nicht Wissenschaft und Kunst.

Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen. Takt heißt: sie nicht bemerken.

Vernünftige Leute, die den Standpunkt ihrer Partei bis in die letzten Konsequenzen zu vertreten versuchen, erwecken immer den Eindruck, als seinen sie konfus oder unehrlich geworden.

Was unsere Seele am schnellsten und schlimmsten abnützt, das ist: Verzeihen ohne zu vergessen.

Wer Humor hat, der hat beinahe schon Genie. Wer nur Witz hat, der hat meistens nicht einmal den.

Wir machen immer einen Fehler: Wir investieren Gefühle, statt sie zu verschenken.

 


Arthur Schnitzler (* 15. Mai 1862 in Wien; † 21. Oktober 1931 ebenda) war ein österreichischer Erzähler und Dramatiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne.
Quelle: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie