Christa Schyboll – Aphorismen Teil 4

Schwindelerregend schnell ist deine jeweilige Anpassungsfähigkeit an das Diktat einer Terrorwirtschaft die dir sagt was gesund ist und schmeckt was richtig ist und falsch was in ist und outUnd in kleinen stillen Augenblicken ahnst du die dünnen Fäden an denen du schon lange klebst und funktionierst zu Glück und Freude vieler Wirtschaftszweige

Frieden erhalten wir nicht durch die Vernichtung der äußeren Waffen durch das gegenseitige n Schach halten oder durch Wirtschaftssanktionen. Frieden werden wir nur erreichen durch eine Entwicklung des Geistes der in seinem Denken die Freiheit und die Liebe durch Menschenhände und Herzen tätig umgestaltet.

Der Gott im Herzen des Menschen wurde ersetzt durch den Gott des Kontos. Und irgendwie ist der Mensch nun leer während der Kontogott wohlbeleibt und ein wenig tumb daherdümpelt.

Die reichen Ereignisse deines Lebens haben wirre Spalten in dein Gesicht gefurcht die folgenschwer dein Lächeln nun mit Bittersüße überziehen

Die öffentliche Kreuzigung menschlicher Körper ist in unserem politischen System unter Strafe gestellt weil das fließende Blut die Menschen verroht. Die öffentliche Kreuzung menschlicher Seelen ist eine medienspektakuläre Wirklichkeit die durch Fernsehgebühren staatlich eingetrieben wird und auch noch „betroffen machen soll“

Warum unterwirfst du dich nicht endlich der Bescheidenheit der Frage statt unbescheiden nur auf Antworten zu hoffen die mangels Fragen nicht mal schwanger werden konnten.

Mit diversen Trugmanövern baust du an Realitäten die deine nackte Angst vor dem Urteil der anderen unter das Laken des Scheins zu verstecken suchen. Doch immer wieder zupft jemand an dem Laken und sieht in deine zitternde Seele die sich selbst nicht mehr kennt. Weil sie ein Trugbild ihrer selbst in deine Körperform gegossen hat und dich damit nun selbst verwirrt bleibt deine nackte Angst dir lange noch erhalten

Nietzsches „Gott ist tot“ ist deine Auferstehung! – weil du nun vollverantwortlich dich selbst jetzt umgestalten darfst

Du betreibst einen Autovandalismus wenn du weiterhin dich weigerst die Möglichkeit des selbständigen Denkens doch wenigstens in Erwägung zu ziehen.

Halb vegetativ schaut dein Körper aus der Masse und sucht mit hoffnungsvollem Blick ein Individuum das schon „Mensch“ sich nennen darf.

Wenn deine ausgebuffte Rhetorik so in die Dialektik übergeht dass keiner mehr etwas versteht dürfen deine Argumente ruhig auch ein wenig irre sein.

Die Gnadenlosigkeit die dir auf Schritt und Tritt begegnet schießt aus dem Hinterhalt der Egozentrik.

Es gibt Tageshelden und es gibt Nachthelden Während erstere mit innerem Blick äußere Realität als Wirklichkeit durchdringen tanzen die anderen in Träumen fröhlich Samba

Aus innerer Berufung setzt du dich mit dir selbst auseinander analysierst dich und sezierst dich und reduzierst das Universum nur noch auf die Einzelheiten deiner Schwäche

Ultraradikal gehst du in Gedanken gegen deine Feinde vor Und wenn du ihnen dann begegnest bewegen deine Lippen kleine feige Freundlichkeiten

Auf dem Weg zu deiner Selbstentdeckung hängst du dir nicht selten dünne Mäntelchen um deine Schultern die mit kleinen raffinierten Argumenten die angestrebte Selbstentdeckung perfekt zur Selbstverdeckung machen

Wie viele Masken trägt dein Gesicht und wann – wenn nicht im Tiefschlaf – traut sich die letzte Maske aus deiner Requisitenkammer

Deine Gefühle wandern durch die Labyrinthe deines Selbst und berauschen sich dort an der Einzigartigkeit die sich niemals in den Welten wiederholt

Dein Wesen birgt Unaussprechlichkeiten die fast schon beruhigend sind weil sie nicht mehr in unsere Sprache passen

Unverhohlen schaust du auf deinen Nächsten der rückhaltlos dir eine Lebensweise zeigt die du verschämt ersehnst doch deinem Stand gemäß bekämpfen musst.

Manch einer glaubt tapfer an sein Gutsein weil eine kleine Spende die keine Not ihn kostete ein Zeugnis für ihn ist dass er im Privileg des Gebenden jetzt lebt

Welche Spuren verwischst du wenn du leise Nettigkeiten über dich selbst in deine Gespräche flechtest Fürchtest du vielleicht dir selbst am Ende nicht gerecht zu werden.

Meinen Widerspruch forderst du immerzu heraus durch die Intonation des GesagtenWie klug es auch durch Worte noch gesetzt wird – die Art und Weise ist es die den Hinterhalt des eigentlichen Wollens deiner Worte mir erschließt

Manche Menschen Suchen ihren Stil und danach dazu das passende menschliche Accessoire

Die Niedergeschlagenheit hat deinen Teint erwischt und hat tiefe Gräben in dein Gesicht geschlagen die wie vulkanöse Spalten nun mit innerem Feuer drohen.

Manche Beziehungen sind so erodiert dass der ausgelöste Steinschlag der Gefühle lawinenartig in das Tal der letzten Partnerschaftstage schießt.

Ist es nicht ein wenig zynisch gerade heute an die Einwanderung der Vernunft zu appellieren wo doch ein jeder weiß dass sie an den dichten Grenzen unseres Alltagsverstandes kein Asyl erhält

Wenn das Jetzt altert verjüngt sich das Später um seine Zukunft und bleibt niemals im Vergangenen stehen

Deine Person kleidet sich nicht nur in die Maske des Alltags sondern maskiert auch die Sonntagsstunden deines Lebens durch den leichtgetrübten Schein der Angepasstheit

Wer die Perlen seiner Gegenwart auf Schnüre ziehen will erhält als Lohn nicht Ketten der Vergangenheit sondern ein Lichtgeschmeide der Erinnerung das auch vom Anblick aus der Zukunft her sich immer ändern lässt

Transparente Folien der Unberührbarkeit hast du ängstlich um dich gespannt und glaubst dich verhüllt und geschützt – auch vor den Händen die nur Streicheln wollen

Standardisiert hauchst du mir Deine subjektive Meinung entgegen und füllst mit deinem heißen lauten Atem die objektive Raum-Zone die mich kühl und ruhig denken lassen könnte

Mit deinem So-Sein störst du das Gefüge unser gewohnten Kausalität. Sei doch bitte normal! … und stör nicht immer

Walnussernte im März und Krokusblüte im November – könnte es sein dass auf der Erde etwas schief gelaufen ist?

Gnadenlos forderst du mein Gehör für die Nichtaussage leerer Wortgebilde Warum folterst du mit Sprache ausgerechnet die die dich doch mögen um unentwegt dich in den Mittelpunkt zu schieben Was glaubst du wie wir dich erst lieben würden wenn du die Stille jetzt zu Worte kommen lässt

Krieg bedingt: ein indiviudelles Ja zur Waffe. Frieden bedingt: ein individuelles Nein zum Krieg.

Ich habe intensiv gelebt geliebt und allerlei Geheimnisse erforscht. Der Körpertod darf kommen. Mein Leben allerdings währt immerfort. Und meine Seele tanzt.

Säe die Antwort, ernte die Frage Säe die Mutkraft, ernte das Risiko Säe das Sehen, ernte das Hören Säe die Denkkraft, ernte das reine Gefühl Säe die Ignoranz, ernte den Tod Säe den Tod, ernte die Ewigkeit.

Als ich dich schlafen sah sah ich die Unschuld des Träumers Als ich dir in die wachen Augen blickte sah ich die Schuld eines Menschen der seinen Lebenstraum schon lange verraten hat

Wenn mir die Worte aus dem Nichts zufließen bin ich die Quelle die sich hingebungsvoll speisen lässt in dem sie nimmt und gibt zugleich.

Wer hinunter zum Fluss geht um die Klarheit des eigenen Blickes in den Tiefen des sauberen Wassers zu finden dem spiegelt sich dort vielleicht die Höhe eines Gipfels der uns in der Wassertiefe aber als Abgrund erscheint

Die Sonne strahlt mich so stark an als riefe sie: Strahl doch zurück!

Wer nur an sich selber denkt statt an den Nächsten der sollte daran denken dass er sich im Nächsten selbst vernachlässigt

Wer bedingungslos lieben lernen will muss zuvor das Feuer des Hasses glutvoll durchschritten haben.

Einfältig schaust du auf „ Schlichtheit“ weil du die Tiefe der Schlichtheit verwechselst mit der eigenen Einfalt.

Die Sehnsucht nach mir selbst sucht sich in dirDie Leidenschaft nach dir sucht sich sehnsuchtsvoll in mir selbst.

Die freie Tat des Menschen braucht die Liebeskraft in der Geburt des Augenblicks die warmdenkend dann im tieferfühlten Handeln stimmig sich erfährt.

Meine dunkle Vergangenheit wird licht wenn das Licht aus dem Dunkel der Zukunft in die Gegenwart bricht.

Ich will nur eines: Mensch mit allen Sinnen werden um übersinnlich dann den neuen Menschen zu gebären der schöpferisch sein Gottsein in den Dienst der Liebe stellt

Wenn sich die Brennpunkte der Zeiten überkreuzen und dabei ein neues Auge bilden baden wir im Pool zeitloser Liebesenergie.

Der Raum diktiert die Zeit Die Zeit diktiert das Verstehen Das Verstehen diktiert den Fortschritt Der Fortschritt diktiert den Konsum Der Konsum diktiert die Abhängigkeit Die Abhängigkeit diktiert die Schwächung Die Schwächung diktiert den Niedergang Der Niedergang diktiert den Zerfall Der Zerfall diktiert den Tod. Der Tod diktiert das Leben Das Leben diktiert den Raum Der Raum diktiert die Zeit.

Deine träumende Zukunft die noch werden will steckt atemringend im Geburtskanal der Gegenwart und wartet auf die nächste Wehe um zu sein.