Christa Schyboll – Gedanken Tango

Je größer der Finanzspekulations-Skandal im multinationalen Konzern, um so kleiner die Gefahr, als lächerlicher Ölfleck unter der Dampfwalze der Konzerngeschichte zu verschwinden

Ernüchternde Gedanken sind in manchen Fällen vergleichbar mit Drogenentzug.

Die unerschütterliche Entschlossenheit manch eines Lehrers in Bezug auf die Steigerung des Bildungsniveaus seiner Klasse lässt ihn manchmal als Prototyp hyperkinetischen Verhaltens erscheinen.

Wenn schon die Gedanken häufig entfesselt sind, tut man gut daran, wenigstens seine Zunge im Zaum zu halten.

Die deutsche Schwermut in Bezug auf Konsumverhalten in Rezessionszeiten hat die Leichte von schwimmendem Blei erreicht.

Starke Charaktere zeichnen sich durchaus nicht allein durch Intelligenz aus, sondern bauen auch auf untrüglichen Instinkt.

Solange die Tradition große Bedeutung hat, verbleibt die große Bedeutung in den Fesseln der Geschichte.

In den Stunden des nackten Entsetzens tropfen die Sekunden wie langsam fließender Honig in die Gegenwart.

Führt heftiges Flirten zu magischen Kurzschlüssen, sollte man wissen wo die Stromverbindung zum Verstand wieder zu finden ist.

Wenn die Uhren so schnell zu scheinen laufen, dass die Konturen der Zeiger verschwimmen, ist es an der Zeit, zu entstressen.

Ein Fünfzehnsekundenkuss, der die psychische Zeit von fünfzehn Jahren birgt, muss nicht zwangsläufig in einer Beziehungskrise enden

Die dünnen Falten, die sich in die Stirn der Denker fressen, bekamen nicht selten ihre Nahrung durch den Zweifel.

Ist das Schicksal im Spiel, braucht man niemanden und nichts zu suchen, sondern wird gefunden.

Knusprige Antworten auf ungebackene Fragen ungefragt zu servieren, hat schon manchem selbsternannten Rat-Schläger anschließend Magenschmerzen bereitet.

Die Anziehung der klugen Frau bedingt den klugen Mann, der diese Klugheit zu schätzen und zu genießen weiß.

Lautes Schweigen deutet nicht zwangsläufig allein auf den Kenner hin, sondern manchmal auch auf den uninformierten Tölpel.

Offenheit ist ein Luxus der Freiheit, den sich nur derjenige leisten kann, der genug Stärke nicht nur für die Folgen hat, sondern auch für den eventuellen Missbrauch.

Die Vorstände sollten einen feinen Blick darauf haben, wann eine Führungspersönlichkeit aus den eigenen Reihen zur Verführungspersönlichkeit mutiert, damit die Mutation nicht zu unerwünschten DAX-Verlusten in Folge führt.

Wollen dich die Pechsträhnen nicht verlassen, dann dreh den Spieß um und verlass selbst die Pechsträhnen.

Die bedrückende Atmosphäre durch laut erhobene Stimmen im Raum wird spontan gebremst, wenn jemand plötzlich flüstert

Jene Magie, die den Raum erfüllt, wenn DAX-Werte plötzlich steigen, fand man zu früheren Zeiten in den Kathedralen zum Ostersonntag anlässlich des Auferstehungsfestes.

Wer mit der Aura einer mühelosen Zwanglosigkeit sein mündliches Abitur untermauert, erhöht seine Chancen für den NC enorm.

Schlimme Ereignisse sollten uns nicht verführen zu denken, es könne nicht noch viel schlimmer kommen.

Wenn das Gute eintritt ist es durchaus sinnvoll, das noch Bessere in Betracht zu ziehen.

Pechsträhnen meiden Menschen, die sich nach Glück und Erfolg sehnen, da auch sie dem Energiegesetz folgen, das sich automatisch nach dem Bewusstseinsfokus ausrichtet.

Ist das neue Argument todsicher, hätte man mit dem alten Argument vielleicht ein wenig länger leben können.

Echte Freiheit ist weniger schön, als schwer. Schön wird sie dann, wenn man sie und sich beherrscht.

Wem Recht schaffende Bosheit aus den Augen strahlt, qualifiziert sich für bestimmte Jobs sicherer als jemand, der lediglich mit offenem Blick naiv dreinschaut.

Permanentes Lächeln kann manische Züge tragen, wenn man es zu traurigen Anlässen benutzt.

Bäume, die es miteinander treiben, treiben später einzeln aus.

Nahrung, die nicht vor dir wegläuft und die dich nicht angreift, ist vermutlich gut verdaulich.

Vorgesetzte
sind gut beraten,
wenn sie
zielstrebige Aktivitäten fein zu unterscheiden wissen von wichtig
daher kommendem Aktivismus

Freudigen Erwartungen stehen unvermeidliche
Ent-Täuschungen
nur dann gegenüber,
wenn man sich in
sehr überzeugender Weise in der eigenen Erwartung täuschte.

Tiefsinnige Gedanken sollte man klugerweise
so positionieren,
dass sie nicht
durch das löchrige Gitter der allgemeinen
(Un-) Aufmerksamkeit des zerstreuten Vorgesetzten fallen.

Da Disharmonie
jeden Ort
dieser Erde erreicht,
sollte man
seinen eigenen Schutzraum mit harmonischen Gedanken und Gefühlen bewehren.

Ziehen dich die
morgendlichen Börsenwerte
so herunter,
dass du glaubst,
endgültig den Kampf gegen die Schwerkraft verloren zu haben,
ist der Versuch
der horizontalen Fortbewegung
leider noch nicht die Lösung deines Problems

Wer gesetzestreu,
pflichtbewusst und
pünktlich
seine Steuern zahlt,
hat sie ganz offenbar verdient!

Betreibt man
seine dunklen Geschäfte
so gründlich,
dass man mit seinem eigenen Schatten verschmilzt,
sollte man
das Licht der Öffentlichkeit
möglichst meiden.

Die besten Beobachter
sind jene,
die während des
Vorgangs der Beobachtung von niemandem dabei beobachtet werden,
deren Beobachtung
sie nur ablenken würde.

Wer bei seinem Vorstellungsgespräch
die falsche Art
von Intelligenz
zur richtigen Zeit
platziert,
kann von Glück sagen, wenn der Personalchef dann im
rechten Augenblick
mit der Interpretation
des Gehörten
vollkommen
daneben liegt.

Dem großen Menschheitstraum,
die Menschheit
möge sich ändern,
steht nichts wirklich entgegen,
weil sie genau das
ständig tut,
jedoch es tragischer Weise dabei versäumt,
ihren Traum vom Traum davon
endlich zu beenden.

Unmögliches
erreicht man nur dann, wenn man es
paradoxer Weise
mit der gegebenen Realität weise zu verknüpfen weiß.

Traumtänzer
mögen zwar
ihren Traum tanzen,
aber sie tanzen
sich nur selten
ins Zentrum
der realen Erfüllung
ihrer Wünsche.

Nur wer nach einer
langen Verhandlung
den Überblick
jetzt noch überblickt,
hat Chancen,
die beschlossenen Ergebnisse
am Ende
auch wirklich zu durchschauen.

Wahrheit
unterliegt
keinem Verfallsdatum!

Die Vererbbarkeit
von geistigem Rost
ist nicht nur
in einzelnen Kulturen
zu beobachten,
sondern tritt mittlerweile generationsübergreifend
als flächendeckendes globales Phänomen auf.

Beherrscht man
die Kunst der freien Rede lange schon perfekt,
ist verwöhntes Publikum nur noch durch einen neuerdings verwendeten Spickzettel
zu erstaunen.

Wer in schwierigen Verhandlungen
mit nur mäßigem Erfolg intelligent wirkt,
braucht anschließend handfeste Kompensation durch die vorgelegten
oder real zu erwartenden Umsatzzahlen.

Denken Sie
nicht
drüber nach!

Dann verstehen
sie
schneller!

Konzentriertes Nachdenken ist oft die letzte
der aufgebauten Barrieren, die es verhindert,
dass man versteht,
worüber man gerade konzentriert nachdenkt.

Das verbale Glatteis
auf dem gebohnerten Flur der Vorstandsetagen
lässt vor allem jene
in eine Rutschpartie schliddern,
die ihre Konversation
nicht der Ebene
anzupassen wussten.

Warum unnütze Dinge,
die nicht mal
der Mühe wert sind
angedacht zu werden, trotzdem erfolgreich vermarktet werden,
ist erklärbar
durch die Notwendigkeit, dass das behauptete Paradox
auch ein paar handfeste wirtschaftliche Beweise braucht.

Will man
die Zustimmung
zu seinem eigenen Vorschlag
erreichen,
ist man gut beraten, gewisse Argumente
kursiv
auszusprechen.

Das lüsterne Spiel
mit der Macht
ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß,
was alle anderen
nicht wissen

Die Wissenschaft
von der Naivität
der Mitmenschen
hat ihr dreigeteiltes Headquarter
in der Psychologie,
der Werbewirtschaft
und Religion
zugleich aufgeschlagen.

Tritt jemand
endlich mal
aus seinem eigenen Kopf heraus
und steht wie plötzlich neben sich,
ist das Verwundern
über die eigene Person nicht selten
ein Schock.

Prallen während
einer Besprechung Gedanken
der Teilnehmer
wie dicke Knüppel aufeinander, ist zu kalkulieren, mit wie vielen Beulen dem Kompromissvorschlag zugestimmt werden könnte.

Psychische Vernichtungsschläge mit der Treffsicherheit eines Zen-Pfeiles sind vor allem dann unausweichlich, wenn gewisse Adjektive mit den Augen ausgesprochen werden – statt verbal.

Nur jene Lügen,
die glaubwürdig
genug sind,
die ganze Welt zum Guten umzukrempeln,
lohnen einen moralischen Fehltritt.

Wer den
Begriff Komplex der Ehre
großzügig interpretiert,
kann unbeschadet
ein Leben lang
Politiker bleiben.

Die konsequente Nichtbeachtung
von Regeln
und Vorschriften
führt relativ schnell
zu ihrer Abschaffung, weil die konsequente Verfolgung
ihrer Nichtbeachtung
zu teuer würde.

Erreicht die Wellenfront der politischen Machbarkeit den Rand des absoluten Steueraufkommens, werden die neuen Subventionen unter anderen Begriffen und mit anderen Argumenten neu auf die Tagesordnung gesetzt.

Frühzeitig angelegten, nicht unerheblichen Vorrat an Ärger und Wut sollte man dann erst geballt herauslassen, wenn man dabei
weder die Figur
des Helden
noch die des Schwachkopfes anvisiert, sondern lediglich die eigene Authentizität.

Spricht man während seines Vortrags
in einer Art Tonfall,
der diverse Katastrophenszenarien schon mal in den Köpfen der Zuhörer abspielen lässt, sollte man sein Redekonzept nicht unbedingt mit dem Endziel kollektiver Ruhe verbinden.

Sprechen Männer in so scharfem Ton mit ihren Frauen, dass man sich mit ihren Worten rasieren könnte, ist anzuraten, das Gespräch mit After-Shave-Atmosphäre ein wenig zu glätten, bevor sich die Frauen ihrer eigenen Waffen besinnen.

Nur wer wirklich
wichtig genug ist,
wird eventuell auch mit unfreundlichen Blicken bedacht.
In unwichtige Personen investiert man
weder Gedanke,
Blicke noch Zeit.

Haben Frauen erstmal wirklich gründlich ihren inneren männlichen Anteil entwickelt, hinkt das Original oft nur noch schlapp hinterher.

Die innere Frau
eines Mannes
wird vielleicht einmal
eine Perfektion erreichen,
die jeder äußeren Frau die Schweißperlen
längst vor Beginn
des Klimakteriums
auf die Stirn treibt.

Die begabtesten Frauenversteher sind: weiblich!

Unterliegen weibliche Gehirne der Gefahr
der Überhitzung,
obliegen männliche
oft jener Raureifzone, wo Gedanken wie Eiskristalle schmelzen, sobald sie auf eine weibliche Hirnmasse stoßen.

Hausinterne Kuriere
für wichtige Briefpost, die sich mit
der typischen Eile
von dickflüssigem Honig über die Büroebenen bewegen,
sind in der Regel schneller als Emails
in einem Spam überlasteten PC-System.

Neunmalkluge Menschen sind vor allem für eine besondere Intelligenzleistung zu loben: Wenn sie es schaffen, irgendwie bis zu ihrer eigenen Verwirrung vorzudringen.

Sind sich die Werktätigen als Schmiere im Achslager der globalen Märkte erst einmal ihrer wirklichen Macht bewusst, können sie ihre Forderungshebel völlig neu ansetzen.

Sitzungsunterlagen,
die keinen sonderlich geplanten Eindruck machen,
sondern eine Art Zusammenballung
recht willkürlicher Buchstabenformationen zu sein scheinen,
fast man am besten unter Punkt „Verschiedenes“ zusammen
und vertagt sie
auf die nächste Sitzung.

Manche Männer
starren Frauen
ähnlich fasziniert an
wie den Zünder
eines Blindgängers
vor seiner Entschärfung.

Das Empfindlichste
aller Etwasse
ist die Zukunft,
die sich einfach noch nicht entschieden hat, welche der vielen Möglichkeiten
sie in der Gegenwart
als Realität wahrzunehmen gedenkt.

Die Grenzen des Wissens zu erweitern
bedarf völlig anderer intellektueller Voraussetzungen
als die Grenzen
des Unwissens
zu erweitern.

Hässlichkeit mit Dummheit gleichzusetzen ist ebenso dumm wie Schönheit mit Intelligenz zu verwechseln, was ein geradezu ein so unglaublich lächerlicher Gedanke ist, das er schon fast wieder Spurenelemente von intelligenten Humor trägt.

Nur weil das Hässliche nicht zwangsläufig dumm ist, und das Schöne nicht unbedingt intelligent sein muss, muss das Dumme nicht zwangsläufig schön sein oder das Hässliche nicht unbedingt intelligent.

So wie die
Flüsse der Erde
nicht über die Ufer treten,
um die Städte neugierig zu erforschen,
betreten Vorstände auch nicht die Werkhallen,
um realistische Arbeitseindrücke zu sammeln, sondern haben dort dann in der Regel einen Pressetermin mit Foto-Shooting.

Wenn das Ideenhafte die Basissubstanz
der Wirklichkeit ist,
sollte die Phantasie
ihre schönste Garnierung sein.

Wer seinem Chef
nicht vertrauen kann, obschon er
keine andere Wahl hat und diese dann nutzt, zeigt Vertrauen
ins Misstrauen und stellt damit eine besondere Art von Vorstandsbefähigung für spätere Zeiten unter Beweis.

Sprudeln während des Brainstormings perlende Gedanken wie Kohlensäure,
sollte man darauf achten,
keinen mentalen Blähbauch im Gehirn
zu bekommen oder an der falschen Stelle mit seinen Synapsen zu rülpsen.

Wo sich eine Problematik bereits vor Entwicklung ihrer eigenen Theorie zeigt,
sollte man zuerst die Lösung in der Praxis anstreben,
damit sich später die Theorie darüber
auch als tauglich erweist.

Wer es schafft, ein Problem zu durchschreiten,
ohne auf der Schwelle der Lösung festzukleben, öffnet neue Türen für die Entwicklung der dazugehörigen theoretischen Grundlagen.

Die schöpferischen Kräfte
nervöser Energien
ohne wirkliches Ziel bündeln sich oftmals im Überbegriff:
Kunst!

Weil die meisten Leute noch immer die falschen Dinge glauben,
warten die richtigen Ereignisse
noch immer
auf ihren Kopfsprung
ins Leben.

Nur wer das Unmögliche zur Norm erhebt,
hat die reelle Chance, wenigstens das Mögliche dann schon mal umzusetzen.

Wer mit einer kreativen Arbeit beauftragt ist
und seine Phantasie lediglich auf Pigmentpünktchen erweitern kann,
sollte sich
um einen neuen Job
in der Buchhaltung bewerben.

Geht der Chef
mit einem auffallenden Mangel an Mimik
durch die Flure,
braucht man keine psychologische Hochbegabung
um schnell zu ahnen, dass man sich am besten unsichtbar macht.

Die Ausuferung
der globalen Märkte wird weniger in ein flexibles,
in sich rundes System wirtschaftlicher Ausgewogenheit münden,
als eher in eine
globale Deformation
die zu einem Polsprung an den Börsen führt

Der beste Master-Abschluss garantiert noch lange keinen Karrieresprung,
sofern eine Barriere aus fataler mentaler Trägheit im Vorstellungsgespräch dominant hervorprescht.

So manch einem tapferen Vorsorger ist die Überdosis von Entsetzen ins Gesicht gezeichnet, wenn
er bei der Nachsorgeberechnung feststellt,
dass die Sorgen
nun erst richtig beginnen.

Da auch ein Bauchhirn über ein Gewissen verfügt,
dem man eine geballte Faust böse ins emotionale Gedächtnis rammen kann,
sollten Erinnerungen
an Fehlleistungen vorsichtig gehandhabt werden.

Unerfindliche Unauffindbarkeiten besonders wichtiger Akten zur Klärung öffentlicher Skandale verschwinden heute weder im Archiv, noch im Kellergewölbe des eigenen Gewissens, sondern in der Regel blitzschnell im virenverseuchten Schwarzen Loch des Netzes.

Verdiente Kollegen mit lebenslanger Berufserfahrung sollten nicht als geistiger Sanierungsfall im Altbau ihres alternden Ichs betrachtet werden, sondern eher als zu hebenden Tempelschatz und alternative Erweiterung zur frischen Unverbrauchtheit unerfahrener Neulinge.

Manchmal muss man gehen, um sich nicht zu entfernen.